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Eisige Kälte und wilde Herzen | Wisente im winterlichen Polen

  • Autorenbild: Marc Jeworrek
    Marc Jeworrek
  • vor 2 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit
Eine Herde Wisente auf einem zugeschneiten Feld.
Mein Wunschmotiv erfüllte sich: Wisente auf zugeschneiter Fläche

Ende Januar 2026 hatte es mich wieder in den Osten Polens gezogen: Wie bereits im Jahr zuvor machte ich mich zusammen mit ein paar Freunden auf die mehr als 1.200 km lange Reise in den Nationalpark Białowieża an der polnisch-belorussichen Grenze.


Die Wettervorhersage versprach uns etwas, worauf wir beim letzten Mal so sehsüchtig gewartet hatten: Frost und Schnee – und davon reichlich! Die Vorhersage war sogar so frostig, dass ich in neue Winterstiefel und eine neue Jacke investieren musste – eine meiner besseren Entscheidungen, wie sich später herausstellte!

Nach den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel, in denen ich mich bereits gut für die Kälte gewappnet hatte, erreichte mich eine freudige Nachricht: Canon stellte mir mein favorisiertes Teleobjektiv für die Polen-Reise zur Verfügung. Gut verpackt kam die Linse einige Tage vor der Abreise bei mir an und fand noch Platz in meinem Kamerarucksack.


Ein Zwischenstopp bei den Elchen

Aufgrund der erwarteten Witterung und der zahlreichen Elch-Sichtungen im Vorjahr im Nationalpark Kampinos entschieden wir uns erneut für einen zweitägigen Zwischenstopp im nahe Warschau gelegenen Park. Durch den in Deutschland verschneiten Januar bereits winterlich gestimmt, ging es also wieder nach Polen. Nach einer rund elfstündigen Fahrt erreichten wir unser Etappenziel und wurden von frostigen -20 °C empfangen.

Am nächsten Morgen bestaunten wir beim Verlassen der Unterkunft die in Eis erstarrte Umgebung, die wir bei unserer abendlichen Ankunft nur ansatzweise hatten erkennen können. In den Wochen zuvor musste es immer wieder geschneit und danach ordentlich gefroren haben. An diesem Morgen jedoch schien die Sonne, und es herrschte diese vielgerühmte "trockene Kälte", die bei -20 °C zwar amtlich war, das Auto jedoch nahezu eisfrei ließ. Auf ins Elch-Gebiet!

Nach einer kurzen Fahrt im Zielgebiet angekommen und die Rucksäcke geschultert, machte sich bei uns jedoch schnell Ernüchterung breit: Auf den verschneiten und anschließend überfrorenen Wegen war ein leises Vorankommen unmöglich. Jeder unserer Schritte war unglaublich laut und klang, als würden wir über Glasscherben laufen. Die Hoffnung, Elche zu Gesicht zu bekommen, schwand.

Ein Mann schaut durch eine Kamera mit weißem Teleobjektiv.
Die Kamera ist stets griffbereit.

Trotzdem setzten wir unseren Weg fort und suchten nach Spuren dieser riesigen Tiere – insbesondere nach Trittsiegeln und Losung, die wir jedoch nur vereinzelt fanden. Die wenigen gefundenen Trittsiegel wirkten bereits sehr alt, sodass wir keine Anhaltspunkte hatten, wo die Tiere in den letzten Tagen unterwegs gewesen sein könnten.

Elch-Losung liegt in einem zugeschneiten Wald
Elch-Losung

Als uns dann noch ein Trupp Soldaten vom nahegelegenen Kasernengelände beim Orientierungslauf begegnete, hatten wir innerlich bereits abgeschlossen, an diesem Ort noch Elche zu entdecken. Immerhin: Der Soldat, der uns ansprach und informierte, dass an diesem Tag in dem Gebiet geübt werde, war sehr nett. Die Sonne schien so kräftig sie nur konnte, und wir durchstreiften das Gebiet noch für einige Stunden – leider ohne eine Sichtung.

Ein Rucksack mit einer Kamera steht auf einer zugeschneiten Offenfläche
Keine Elche, dafür eine schöne Winterlandschaft.

Rückblickend vermute ich, dass die Elche bei diesen Temperaturen von unter -20 °C und der geschlossenen Schneedecke eher die dichter bewaldeten Bereiche des Nationalparks aufsuchten: In den Offenflächen gab es kaum Nahrung für sie, während sie im Wald zumindest noch an Baumrinde knabbern oder nach sonstigem Pflanzenmaterial suchen konnten. Dafür sprechen auch die wenigen und alten Trittsiegel: Die Tiere hatten sich in dem von uns aufgesuchten Bereich kaum aufgehalten.

Am zweiten Tag hatten wir schließlich auf einer Straße, die durch ein nahegelegenes Waldgebiet führte, für kurze Zeit das Glück, zumindest einen Elch zu sehen. Ein kleiner Trost! In der Fotografie vergleicht man Sichtungen oft mit früheren Erlebnissen – und diese lassen sich nun mal nicht immer überbieten. Da heißt es nur: Nicht ärgern und wiederkommen!

Ein Elch frisst an herabhängenden Zweigen eines Baumes.
Ist die Schneedecke geschlossen, bieten Zweige und Rinde eine Nahrungsquelle für Elche.

Wo die wilde Wisente wohnen

Nach zwei Tagen in Warschau ging es in einer knapp vierstündigen Fahrt weiter in den Osten Polens, in den Nationalpark Białowieża. Auch hier hatte es in den Wochen zuvor immer wieder geschneit, und die Temperaturen lagen deutlich unter dem Gefrierpunkt. Auf der Fahrt bestaunten wir eine endlose Winterlandschaft. Vor Ort angekommen und im Ferienhaus eingerichtet, zeigte das Thermometer am nächsten Morgen eine Temperatur, die ich in meinem Leben noch nie erlebt hatte: -28 °C. Die Welt außerhalb der warmen Unterkunft glich einem Eisschrank.

Temperaturanzeige eines Autos.
-28 °C - ein frostiger Morgen!

Zum Glück sprang mein Auto an, auch wenn es sich für einen Moment so anfühlte, als würde es noch einmal zögern. Alles war steif und zäh: Selbst das Kupplungs- und Bremspedal musste ich einige Male betätigen, bis alles wieder wie gewohnt funktionierte. Um den Motor zu schonen und ihn langsam warm werden zu lassen, machten wir uns vorsichtig auf unsere erste Erkundungstour.

Dass wir bereits im Vorjahr viele interessante Spots in der Gegend erkundet und dokumentiert hatten, erwies sich als großer Vorteil: Nur wenig Zeit verging, bis wir unsere ersten Wisente auf einem verschneiten Feld nahe einer improvisierten Fütterungsstelle entdeckten. Diese bestehen meist aus mehreren nebeneinander aufgestellten Heuballen und sind auf Feldern oder Offenflächen zu finden, oft in direkter Nähe zu Siedlungen. Neben den offiziellen Fütterungsstellen im Nationalpark finden die Wisente hier eine Nahrungsquelle, wenn die Schneedecke so dicht ist, dass sie auf den Feldern kaum noch etwas finden.


Ein weiterer Grund für die Fütterungen ist, dass die Landbevölkerung damit versucht, die Wisente von ihren Siedlungen und Wäldern fernzuhalten – wo sie sonst Fraßschäden an Bäumen verursachen oder zu ungebetenen Gästen in den Gärten werden könnten. Denn auch wenn die rund 800 kg schweren Tiere sanft wirken, können sie eine erhebliche Gefahr darstellen.


Auch wenn man es ihnen nicht ansieht: Wisente können wie Geister im dichten Białowieża-Urwald verschwinden. Durch den Schnee und die Fütterungsstellen hatten wir zumindest Anhaltspunkte, wo sie sich aufhalten könnten, und mussten nur darauf hoffen, dass sie zur gleichen Zeit wie wir vor Ort waren. Im Laufe der Woche entwickelten wir so langsam ein Gespür dafür, wo es sich lohnte, nachzuschauen – und wurden schließlich mit einigen schönen Aufnahmen belohnt.


Auf Spurensuche

Neben der Suche nach Wisenten versuchten wir auch, Wölfe zu finden. Auch dieses Mal blieb uns das Glück verwehrt, doch der Versuch bescherte uns einige schöne Stunden im verschneiten Winterwald sowie mein persönliches Highlight: Eine Luchs-Spur, die sich mehrere hundert Meter entlang unseres Wanderwegs zog und eine Reviergrenze der scheuen Katze zu markieren schien.

Luchs-Trittsiegel im Schnee.
Eine kleine Botschaft der scheuen Katze: "Ich war hier".
Luchsspur auf einem Waldweg.
Luchsspur am Wegrand.
Markierte Stelle durch einen Luchs am Waldweg.
Hier wurde der Weg zum Markieren kurz verlassen.
Luchsspur im tief verschneiten Wald.
Hier musste der Luchs vor kurzem vorbeigekommen sein.

Ein erster Ausflug ins Filmemachen

Diesmal versuchte ich zudem, mehr zu filmen. Für eine vollständige Geschichte reichten die Aufnahmen leider nicht aus, doch ich habe ein paar schöne Sequenzen in meinem ersten YouTube-Video zusammengeschnitten:


Fazit: Wiedersehen mit der wilden Natur

Der Nationalpark Białowieża hat mich erneut zutiefst begeistert. Ich bin mir sicher: Dies war nicht meine letzte Reise zu Wisent, Wolf & Co.!

Ein Wisent steht in einem Waldstück im Schneefall
Was dort zwischen den Bäumen auftauchte, ließ mein Herz höher schlagen: Ein Wisent!


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