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NATUR ETIKETTE

Wenn ich mich mit meiner Kamera in der Natur oder der vom Menschen geformten Kulturlandschaft bewege, verstehe ich mich als Gast in diesen Räumen. Die Gastgeber sind die heimische Fauna und Flora – und gegebenenfalls menschliche Akteur*innen.

Damit ich guten Gewissens schöne Aufnahmen mit nach Hause nehmen kann, habe ich für mich die nachfolgenden Grundregeln der ethischen Wildtierfotografie ausformuliert – meine Natur Etikette:

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#01 | KEIN FOTO UM JEDEN PREIS

Das Wohl und die Unversehrtheit der Tiere sowie anderer Lebewesen stehen stets an erster Stelle. Kein Foto rechtfertigt es, ein Lebewesen zu stören, seine Freiheit einzuschränken, es zu verletzen oder seinen Lebensraum zu verändern oder zu zerstören. Diese Grundsätze bilden die Basis meiner fotografischen Arbeit. Dazu gehört auch, dass ich:

  • den nötigen Abstand zu Tieren und ihre individuelle Fluchtdistanz respektiere,

  • mich bei Anzeichen von Stress, Angst oder Aggression umgehend zurückziehe,

  • mich ruhig und unauffällig verhalte und mich bei Bedarf tarne,

  • Tiere nicht direkt anspreche, rufe oder ihnen hinterherlaufe,

  • sie niemals locken oder füttere,

  • sie auf gar keinen Fall berühre,

  • besonders sensible Orte wie Nester, Baue oder Höhlen meide,

  • auf die Dynamik in Tiergruppen achte (z. B. bei Herdentieren oder Kolonien),

  • lautlose Verhaltensweisen einhalte und laute Geräusche (z. B. Klappern, Rufen, Motorengeräusche) vermeide, da sie Tiere stark stressen können.

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#02 | DAS "WARUM?"

Die Fotografie ist für mich mehr als ein reines Hobby. In den letzten Jahren ist sie zu einem elementaren Teil meines Lebens geworden – zu einer Leidenschaft, die mittlerweile alle meine Lebensbereiche berührt. Für mich ist sie das Vehikel, um Natur und Tiere zu erleben und mich mit Natur- und Tierschutzthemen auseinanderzusetzen.

Ein Ziel, das ich mir dabei gesetzt habe, ist es, meine Fotos nicht ausschließlich für das eigene Portfolio zu sammeln. Vielmehr nutze ich sie, wann immer sich die Chance bietet, um Aufmerksamkeit für Natur- und Tierschutzthemen zu schaffen – sei es für große, ikonische Leuchtturmarten wie Elch und Kegelrobbe oder für alltägliche, in den Augen mancher weniger attraktive Arten wie die Erdkröte.

Seehund

#03 | BEWUSST ENTSCHEIDEN

Als Mensch verbrauche ich bei allem, was ich tue oder konsumiere, Ressourcen – und diese sind in den meisten Fällen nicht nachhaltig. Das gilt auch beim privaten Naturerlebnis im Moor oder beim Fotoeinsatz für den Tierschutz: Ehrlich gesagt kommt hier selten der ÖPNV zum Einsatz, und selbst dieser ist aus Ressourcensicht nicht „kostenlos“.

Auch wenn ich mich in der praktischen Umsetzung oft schwer damit tue oder es bis auf den Verzicht keine Alternative zu geben scheint, versuche ich, mir meinen ökologischen Fußabdruck bei der Planung meiner Projekte immer wieder bewusst zu machen. Dazu gehört für mich:

  • Ausrüstung: Was brauche ich wirklich? Kann und will ich sie gebraucht kaufen? Gibt es nachhaltigere Alternativen zu den gewählten Produkten?

  • Verpflegung: Ich ernähre mich persönlich zu 100 % pflanzlich und greife nach Möglichkeit auf regionale und Bio-Produkte zurück.

  • Transport: Gibt es realistische Alternativen zum eigenen PKW? Kann ich Fahrgemeinschaften gründen?

  • Unterkunft: Wie viel Platz benötige ich wirklich? Gibt es ökologischere Alternativen zu meiner Wahl?

Mir geht es dabei nicht um Verzicht, sondern darum, mich immer wieder bewusst mit der Thematik auseinanderzusetzen, meine eigenen Entscheidungen zu hinterfragen und für mich persönlich nach besseren Alternativen zu suchen – wo immer das möglich ist.

Meerstrandläufer

#04 | VORBEREITUNG IST ALLES

Bevor ich mich mit der Kamera auf den Weg mache, sammle ich möglichst viele Informationen über meine Zielart und das Gebiet, in dem sie lebt. Je besser ich verstehe, wie diese lebt und was ihre Bedürfnisse sind, desto besser kann ich sicherstellen, dass ich keine Störung verursache und natürliches Verhalten beobachten kann – etwa durch Beachtung der Fluchtdistanz, Geräusche oder Windrichtung. Ebenso wichtig:

  • Welche anderen Tierarten und Lebewesen könnte ich noch antreffen?

  • Um was für ein Gebiet handelt es sich, das ich betreten möchte?

  • Rechtliche Regelungen: Welche Gesetze gelten hier?

  • Jahreszeit: In welcher Jahreszeit betrete ich das Gebiet? (z. B. Wegegebot, Brut- und Setzzeit, generelle Betretungsverbote oder zeitliche Einschränkungen)

  • Mobilität: Wo darf ich mit meinem PKW fahren oder parken? Ein häufiges Missverständnis ist hier das schwedische „Jedermannsrecht“: Zu Fuß darf man sich fast überall bewegen, mit dem PKW jedoch nicht – zumindest nicht ohne Erlaubnis!

Basstölpel

#05 | KOMMUNIKATION

Wenn ich bestimmte Gebiete betrete oder Ansitzmöglichkeiten nutzen möchte, spreche ich vorher immer mit den jeweils zuständigen Verantwortlichen über mein Anliegen – etwa Jäger*innen, Förster*innen, Gebietsbetreuer*innen oder Grundstücksbesitzer*innen. Dies hat für mich in erster Linie etwas mit Respekt gegenüber meinem Gegenüber zu tun: ein Grundsatz, der mir für meine Fotografie besonders wichtig ist. Außerdem betrifft das auch das Betreten von Privatbesitz und/oder Gebieten, in denen gejagt wird. Niemand möchte einen Jagdunfall – weder vor noch hinter dem Abzug.

Bei geeigneten Foto-Spots, Vorkommen von Tierarten – besonders bei ihren Bauten und Nestern – überlege ich mir stets gut, ob und mit wem ich diese Informationen teile. Zum Wohle der Tiere verzichte ich auf detaillierte Ortsangaben, vor allem auf Social Media.

Wolf

#06 | MIND YOUR STEP

In Schutzgebieten und Mooren bleibe ich stets auf den ausgewiesenen Wanderwegen. In Wäldern halte ich mich konsequent an die Wege und meide das Streifen durchs Unterholz sowie das Betreten von Wiesen und Offenlandschaften – besonders während der Brut- und Setzzeit. Das gilt vor allem in meinem Heimatbundesland Schleswig-Holstein, das stark von der Landwirtschaft geprägt ist, eine fortschreitende Zersiedlung erfährt und im Vergleich zum Rest Deutschlands über sehr wenig Wald verfügt. Daher möchte ich die wenigen Rückzugsorte der Tiere nicht zusätzlich durch meine Anwesenheit beeinträchtigen.

Viele Tierarten können durchaus unterscheiden, ob man sich auf den gewohnten Spazierwegen bewegt oder in ihre Lebensräume eindringt – Stress und Fluchtverhalten sind dann die Folge.

Selbst seltene und geschützte Pflanzen, Pilze und andere Gewächse können durch achtloses Umherstreifen abseits der Wege beschädigt werden. Verlasse ich Wege – was ich nur sehr dosiert tue und nur dort, wo es auch erlaubt ist – achte ich besonders darauf, mich rücksichtsvoll zu verhalten.

Fuchs

#07 | MEIM MÜLL MUSS MIT – AUCH DER ANDERER

Essensreste und Abfall nehme ich stets mit – ich lasse nichts zurück. Für Müll, den ich unterwegs finde, habe ich in der Regel immer ein Behältnis oder eine Tüte am Rucksack, sodass ich ihn mitnehmen und zu Hause oder an öffentlichen Abfallbehältern entsorgen kann. Müll gehört nicht in die Natur! Und wenn man ihn selbst nicht mitnimmt: Wer dann? Genau.

Kegelrobbe

#08 | GENIESSEN

Unsere moderne Welt ist bereits sehr laut und hektisch. Daher versuche ich stets, so weit wie möglich abzuschalten, wenn ich mit Kamera oder Fernglas unterwegs bin: Musik aus, Smartphone lautlos stellen und in den Rucksack packen. Einfach die Ruhe der Natur genießen und tief durchatmen.

Als Extra gibt es jede Menge zu entdecken: Pflanzen, Pilze, Trittsiegel oder andere Hinterlassenschaften von Wildtieren.

Ein Gedanke zum Schluss

Diese „Natur Etikette“ ist kein starres Regelwerk, sondern eine Haltung. Sie soll inspirieren, zum Nachdenken anregen und vor allem: durch bewusste Entscheidungen die Natur schützen.

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